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Interview im Spiegel mit Wohnsoziologin: Mehr Vielfalt und Gemeinschaft, weniger Flächenfraß und Ressourcenverschwendung

Christina Hannemann, Professorin für Wohnsoziologie erforscht die Zukunft des Wohnens.
Derzeit steigt der Flächenverbrauch pro Person, genauso wie die Bodenversiegelung. Gemeinwohl und Ressourcenschonung werden beim Bauen und Wohnen kaum beachtet. Beim Wohnen herrscht immer noch zu wenig Flexibilität und Vielfalt. Es gibt entweder das Einfamilienhaus oder die Etagenwohnung. Dabei gäbe es viel mehr Möglichkeiten, die die Politik fördern könnte.
An der Förderung von Wohnraum hat sich jedoch seit der Nachkriegszeit nichts verändert - dabei haben wir heute ganz andere Probleme als noch vor 60 Jahren.
Pendlerpauschalen, Baukindergeld und andere Steuervorteile subventionieren stur das Einfamilienhaus, obwohl es in Zeiten von Flächenfraß und Ressourcenknappheit nicht mehr fördernswert ist. Außerdem ist Wohneigentum aus normaler Erwerbsarbeit  heute kaum mehr finanzierbar. Es pampert nur Menschen, die sowieso so schon besser gestellt sind in der Gesellschaft. So verstärken die genannten Subventionen sogar noch die Ungleichheit. Zudem wird Wohnraum zweckentfremdet. Dies wurde durch die Privatisierungswelle in den 90ern befeuert - Grund und Boden ist lukrativ für Spekulation geworden.
Der Markt wird es nicht regeln. Wohnen ist Daseinsvorsorge und kann nicht dem Renditewahnsinn der Investmentgesellschaften überlassen werden.
Prof. Hannemann plädiert für mehr gemeinschaftliches Wohnen und betont, dass mehr Raum für Gemeinschaft eben nicht das Ende von Individualismus und Privatsphäre bedeutet. Wir richten unseren Wohnraum noch zu sehr nach Ausnahmen (Gästezimmer, Esszimmer mit langer Tafel,..) und passen ihn zu wenig den unterschiedlichen Lebensphasen an. Gemeinschaftliches Wohnen ermöglicht, sich Räume, aber auch viele Dinge zu teilen: Waschmaschine, Rasenmäher, Staubsauger, Akkuschrauber und andere Dinge, die nicht permanent im Eigengebrauch sind.
Und: Je größer der Wohnraum, desto mehr Hausarbeit. Diese bleibt immer noch größtenteils an den Frauen hängen.
Fazit:
Der Staat muss gemeinschafltiches, ökologisches Leben und auch Möglichkeiten wie Wohnungstausch fördern.
und gesetzlichen Raum schaffen für Alternativen, worunter auch Kleinwohnformen fallen.
Für Prof. Hannemann sind Tiny Houses und Co. ein Zeichen dafür, dass es neben Flugscham auch Wohn- und Bauscham gibt: die Menschen werden sich bewusst, wie sehr ihr Verhalten der Umwelt schadet und verspüren deshalb den Wunsch, ressourcensparender zu Leben.
Kleinwohnformen tragen zur Ressourcenschonung im Bausektor bei und ermöglichen die Nutzung von Kleinst- und Restflächen, ohne den Boden zu versiegeln. Liebe Verwaltung, liebe Politik:
wie könnten diese ökologischen Lückenfüller endlich mehr gefördert werden im Sinne der Wohnvielfalt?
Und Hand auf Herz: Restflächen und leer stehende Kleinstgrundstücke gibt es durchaus, es fehlt nur der politische Druck, diese möglichst umweltschonend für bezahlbaren Wohnraum nutzbar zu machen.
Hier der ganze Artikel:

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